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Crewwork Matchrace/Regattasegeln
- vielen Dank an
Manfred Schreiber für diesen Artikel! -
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Bootspeed
Der wichtigste Faktor zum Erfolg beim Match Racing ist optimaler Bootsspeed.
Erinnert Euch ständig daran, daß Bootsspeed zuerst kommt! Wenn
der Großschot- oder Vorsegeltrimmer oder die Deckshand einen Job
erledigen muß, so wird dieser erst ausgeführt, wenn das Segel
getrimmt und optimaler Bootspeed erreicht ist. Wenn eine taktische Frage
an ihn gerichtet wird, sollte er sich erst umschauen und seinen Input
geben, wenn alle Segel optimal getrimmt sind. Das gilt natürlich
auch für den Vordecksmann: Erst von der Kante, wenn das Boot schnell
fährt.
Individuelle Rollen
Der Vordeckmann sollte dieses besonders in den Momenten beachten, wenn
das Erreichen des optimalen Bootsspeeds extrem wichtig ist: Nach Wenden,
überhaupt nach Manövern, nach Unterwenden, Bojenrundungen. Ein
schlechter Moment um das Vordeck aufzuräumen ist der Moment nach
der Rundung. Beispiel: Wir haben gerade die Topmarke gerundet und den
Spi gesetzt. Der Gegner knapp hinter uns. Das ist der wichtigste Teil
des Vorwindkurses. Jetzt schnellstens optimalen Bootsspeed erreichen.
Du weißt, daß Gewicht vor dem Mast "langsam" ist.
Jetzt bitte nicht den Sack wegnehmen oder andere zweitrangige Dinge erledigen.
Tu es später wenn wir optimal laufen und maximaler Speed nicht mehr
das allerwichtigste ist.
Der zweitwichtigste Faktor ist, daß Du Deinen Job immer 100% ausführst,
bevor Du an anderer Stelle hilfst. Um dieses zu erreichen, kann man sich
eine mentale Checkliste bereitstellen. Der Spinnakermann könnte seine
Liste an Hand seiner Verantwortlichkeiten zum Beispiel wie folgt erstellen:
- Baumhöhe; zu hoch zu niedrig
- Achterholerposition; genug nach Luv?
- Gewichtstrimm, Krängung; mehr nach Luv/Lee setzen
- Schotdruck; dem Steuermann berichten damit dieser hoch oder tief steuern
kann/muß
- Spibarberholer; loser/fester?
Nach Durchgang deiner Liste starte vom Anfang neu. Es gibt keine Zeit
sich umzusehen, andere Rennen zu beobachten oder dem Gegner ins Auge zu
sehen. Dein Job ist der Spi und sonst nichts!
Input - Einfluß
Wenn Dein eigener Job gut erledigt ist, mußt Du zum Teamerfolg beitragen.
Es gibt keinen Zweifel, daß 6 Köpfe mehr sehen als einer, aber
Du mußt Kontrolle über die Infos haben, die Du beisteuerst.
Sie sollen nicht verunsichern! Informationen an den Steuermann müssen
ruhig und klar durchgegeben werden. Nachstehend ein Beispiel wie eine
super eingespielte Crew sich verhalten könnte. Das Verhalten muss
natürlich auf die jeweilige Crew abgestimmt werden.
Vorschiffsmann
sieht die Böen und findet heraus, wann Sie das Boot treffen. Diese
Info ist wichtig für den Großschottrimmer, damit er den Traveller
und/oder die Großschot fiert, wenn die Böe trifft - damit das
Boot beschleunigt und nicht krängt! Er sollte auch Wellen oder flache
Stellen ausrufen, damit der Steuermann entsprechend reagiert oder die
Wende in eine flache Stelle setzt. Der Vorschiffsmann sollte auch die
Bahn voraus nach Winddrehungen absuchen. (Flaggen, Schornsteine, andere
Boote etc.)
Mastmann/Pitman
Berichtet über das andere Boot, wenn es in Luv ist und liest den
Kompass ab. Diese Berichte sind wichtig und müssen präzise sein.
Beispiel: "Er läuft schneller als wir, aber wir segeln etwas
höher" ist undeutlich und dasselbe wie: "Wir sind langsamer
aber höher". Er muß allerdings herausfinden, ob die Bedingungen
für beide gleich sind. So wird eine Böe aus Luv generell erst
das andere Boot treffen und er folglich zuerst höher segeln. Berichte
also was Du als Durchschnitt über ca. 30sec. Beobachtungszeit herausfindest.
Berichte erst, wenn Du sicher bist, daß beide Boote identische Bedingungen
haben. Der Mastmann sollte auch das Wenden des anderen Bootes berichten.
Am besten in folgender Weise: "Er zieht an, er zieht höher,
er ist im Wind, er hat gewendet". So vermeidest Du, auf eine Scheinwende
hereinzufallen und wir wenden nicht versehentlich, sobald er nur die Nase
in den Wind steckt.
Trimmer
Berichtet dasselbe wie der Mastmann - nur wenn das Boot in Lee ist. Logisch
- sieht er ja auch besser. Er muß ebenfalls den Kompass ablesen.
Der kritische Moment für ihn ist kurz vor der Luvmarke um zu entscheiden
auf welchem Bug bevorzugt gespinnakert werden sollte. Dasselbe gilt natürlich
für die Leemarke um sofort auf den RICHTIGEN Kurs am Wind zu gehen.
Der Trimmer sollte auch seinen "ersten Eindruck" darüber
abgeben, wie der Bezug zum Gegner ist. Sind wir vor oder dahinter nach
der Wende - Es hilft dem Steuermann und Taktiker, frühzeitig eine
Entscheidung zu treffen und nicht in letzter Minute abzufallen oder eine
Matchstrafe einzufangen. (Weil zu knapp vor dem Bug) Er sollte auch die
Position des Bootes auf dem Kurs berichten. Sind wir auf der Anlegelinie,
wieweit bis dahin (in min oder Bootslängen)
Es ist unglaublich ärgerlich auf enger Bahn, wenn man über die
Anlegelinie fährt!
Großsegeltrimmer
Stimmt sich mit dem Steuermann über das Gefühl für das
Boot ab. Zuviel Ruderdruck oder zuwenig. Kümmert sich auf dem Kreuzkurs
intensiv um die Bootsgeschwindigkeit (Speedmonitoring), sagt auf dem Vorwindkurs
Böen, Winddreher und Verhalten der Verfolgerboote an. Hilft dem Trimmer
mit Kompass und Anlegelinie. Wünsche des Steuermannes erahnen und
mit der Crew umsetzen. Gibt Kommandos schnell und präzise weiter.
Jederzeit bereit sein, die Schot los zu werfen, damit das Boot abfallen/ausweichen
kann.
Steuermann
...ist der Empfänger all dieser Informationen. Bestimmt letztendlich
nach Abstimmung mit der Crew was getan wird. Ihr seht - auf einem leisen
Boot macht keiner seinen Job gut. Informationen an den Steuermann sollten
in keinem Fall strenge Anweisungen sein wie: " Wir müssen auf
die linke Seite des Kurses" Besser ist: "Links segelt ein Boot
sehr hoch auf Steuerbordbug - ich denke die linke Seite ist bevorzugt.
- oder anders - in keinem Fall bestimmend, weil der Steuermann im Eifer
der Regatta diese "so genannten" Anweisungen zu leicht ohne
Abwägung anderer Möglichkeiten befolgt.
Die Vorstartphase
Vor der Startphase sollte die Crew folgende Punkte besprechen:
1. Der Gegner - sind das erfahrene Matchracer oder nicht?
Wir müssen uns im Klaren sein, daß die unerfahrenen am gefährlichsten
sind, weil sie unberechenbare Dinge tun.
3. Was passierte das letzte mal als man gegeneinander segelte? Hatten
die irgendeinen schwachen Punkt?
4. Wie ist der Gegner in anderen Rennen gesegelt? Sind sie schnell oder
langsam? Sind sie schnell ist es besser ihnen eine Matchstrafe in der
Startphase aufzudrücken. Es ist wichtig, während der ganzen
Zeit die Rennen zu beobachten um die Gegner kennenzulernen. Wer wegläuft
oder an der Bar sitzt ist ein Ignorant und kann beim besten Willen nicht
als aktiver Matchracer bezeichnet werden.
5. Auf welcher Seite des Gegners wollen wir starten? Segelt er immer sehr
hoch ist seine Leeseite für uns sicherer!
Wenn die Erfolge kommen, ist
eine Codesprache wichtig für die Manöver. Wie wir wissen, muß
besonders das Aufstoppen und Anfahren geübt werden. Sollten wir für
den Gegner vermeintlich aussichtslos in Lee auf der linken Seite des Kurses
liegen (er hat uns dorthin getrieben, wir haben mit einem Stehmanöver
das ärgste vermieden) - so müssen wir zeitlich genau abgestimmt
mit einem leichten unbemerkten Abfaller -Fockback- Pump - Groß auf
Manöver - einen 3 sec Vorsprung zum Abfallen, halsen und zur Linie
reachen auf Steuerbordbug erarbeiten, um den Gegner hinter uns starten
zu lassen. Dafür müssen wir immer die Kontrolle über das
Boot und das Wissen über das gegnerische Boot haben. Der Mastmann
beobachtet z.B. an der Bugwelle ob noch Fahrt im gegnerischen Schiff ist
oder ob er tot abgestellt ist. Zu beachten ist auch, daß heftiges
Ruderlegen das Heck an den Gegner bringt und bei Berührung eine Matchstrafe
erfolgt. Fockback Manöver helfen hier ebenfalls. Verständigung
leise.
Crew Input
Crew Input während der Vorstartphase ist wichtig!
Der Steuermann sollte folgende Informationen erhalten:
- welches Seite der Linie ist bevorteilt
- Zeit und Distanz zur Linie
- Welche Seite der Bahn ist bevorteilt
- Wo liegen wir im Verhältnis zur Anlegelinie (nach hinten - gebildet
aus Startlinie und rechtem Winkel aus den Schenkeln nach Lee.)
- Die Position des anderen Bootes
- Windrichtungsänderungen
Ihr seid die Augen des Steuermannes wenn wir dicht beim Gegner liegen.
Zwei Leute werden zu "Timekeepern" ernannt. Wenn die Zeit angesagt
wird, so simpel wie möglich - nicht 2.27 min sondern sag an bei 2.30!
Die letzten 30 Sekunden sollten von einem ernannten Timekeeper deutlich
für unser Boot angesagt werden, damit die Trimmer entsprechend die
Segel einstellen und wir wirklich volle Fahrt bei Null gehen. Bootsgeschwindigkeit
ist ein sehr wichtiger Faktor in der Vorstartphase. Ich versuche zum Abschütteln
oder Annähern an den Gegner, ovale Kreise im Uhrzeigersinn zu fahren,
damit wir stets in der Halbwindphase Speed aufnehmen! Das macht nur Sinn,
wenn die Trimmer ständig für maximalen Speed einstellen - es
sei denn, der Steuermann verlangt es anders. Der Decksmann kann hier helfen,
indem er die Schot runter und nach vorne hält beim reachen in leichtem
Wind. Er hilft dem Trimmer indem er den Trimm ausruft, weil er in dieser
Phase besser die Fock sehen kann. Rollwenden und Halsen sollten gemacht
werden, wenn alle gut zusammen arbeiten. Als Erinnerung: Die gesamte Crew
sollte die Luvseite in der Sekunde gemeinsam erreichen, wo die Segel auf
der neuen Seite stehen!
Startkreuz
Es ist das wichtigste, mit Höchstgeschwindigkeit aus der Startphase
zu kommen. Normalerweise sind wir die letzten 30 Sekunden auf dem Bug
aus dem wir starten. Es gibt also keine Entschuldigung, nicht maximal
auf der Kante zu sitzen!
(Hike until it hurts).
Der Traveller muß einfach richtig plaziert sein, Unterliekstrecker,
Cunningham und Backstagpannung genau eingestellt. Marken anbringen und
alles markieren: Edding und Tape! Einstellungen wie Achterstag, Fockleitösen
etc. genau auf Marke! Die gesamte Crew hängt raus bis zum kotzen!
Erinnert Euch: Jeder Meter hier ersegelt, macht die Sache im Rennen nachher
leichter.
Der Trimmer sagt den Kompass an, (wie normal in -5 oder +5° oder 0°)
sobald er nach dem Start eine korrekte Meldung hat. Wir wissen dann, ob
eine Wende angebracht ist oder nicht. Haben wir diese Meldung früh,
können wir rechtzeitig besprechen und entscheiden, wenn der Gegner
wendet. Es ist nötig all die Information, wie vorher besprochen,
sofort nach dem Start einfließen zu lassen. Jeder muß sich
so schnell wie möglich an seinem Platz zurechtfinden und seinen Job
100 %ig bringen.
Kommen wir dann auf ca. 300
m an die Luvmarke heran, müssen mehrere Entscheidungen getroffen
werden; speziell wenn wir in Führung liegen. Sollten wir in ein Wendeduell
verstrickt sein, (mit bis zu 2 Bootslängen Vorsprung) so müssen
wir jetzt entscheiden/wissen, welches die bessere Seite ist. Dort sollten
wir hinsegeln, um einen kleinen Vorsprung herauszuarbeiten. Der Grund:
Ein Vorsprung von 2 Bootslängen ist nichts für die Vorwindstrecke.
Der Gegner kann uns abdecken und vorbeisegeln! Die Seite für die
wir uns entscheiden, sollte möglichst die rechte Seite sein, damit
wir auf Backbordbug an die Tonne segeln und nicht das Wegerecht weggeben.
Jetzt muß auch die Entscheidung über das Spisetzen Manöver
fallen. Sollen wir Backbordbug oder Steuerbordbug setzen. Mit Baum oder
ohne.
Kommen wir näher zur Marke
sollte die Vordeckscrew sich genau alle notwendigen Schritte einprägen
und das Manöver im Geiste durchgehen. Wann wird der Baum wo gesetzt,
welche Strippen zuerst, Barberholer oder Aufholer, Kicker öffnen.
Am Mast das Fall mit langen Bewegungen durchholen. Der Focktrimmer muß
hier kurz die Fock dicht nehmen (!!) um den Spi unten freizugeben. Dann
entweder fallen lassen oder sofort öffnen, damit die Blase Luft bekommt
und aufgeht!!! Alles genau durchdenken bevor die Reling verlassen wird.
Als Regel: Jede Bewegung vorher genau planen. Wie beim Ballet eine Choreographie
erarbeiten. Wir haben hoffentlich genügend Zeit zum üben.
Vorwindkurs
Es wurde vorher schon beschrieben, wie wichtig es ist, nach dem Runden
der Luvmarke auf Position zu gehen und max. Bootsspeed zu erreichen. Erinnert
Euch ständig, daß wir im Match jederzeit halsen können
müssen! Es ist jetzt auch leichter die Böen zu erkennen. Jeder
- mit Ausnahme der Trimmer halten danach Ausschau. Es ist jetzt ebenfalls
für Trimmer und Steuermann wichtig, früh über die eigene
Bootsgeschwindigkeit Auskunft zu erhalten. Am besten beobachtet man das
am Abstand in Bootslängen zum Gegner. Jede Änderung muß
gemeldet werden. Sprecht Euch ab. Keine konfusen Äußerungen,
da die Nervosität beim Steuermann auf der Vorwindstrecke wesentlich
größer ist, als an der Kreuz.
Es wird Momente geben, wo wir
halsen müssen, ohne dem Gegner die Möglichkeit der Früherkennung
zu geben. In diesen Fällen bewegt sich niemand bis das Boot andreht!
Das braucht natürlich ungeheuer viel Praxis, aber warum nicht für
später einprägen.
Sollten wir eng beim Gegner
segeln, seid gefaßt darauf, daß wir jederzeit und plötzlich
reachen (anluven) könnten. Dabei brauchen wir das maximale Gewicht
auf der Kante. Die Trimmer müssen evtl. Markierungen auf den Schoten
haben um schnell die max. vorne Position für den Achterholer einzustellen.
Kein Krabbeln über andere, um mit der Schot nach vorne zum Want zu
kommen.
Wenn wir die Leemarke erreichen,
muß jeder seinen Platz kennen, damit wir das Manöver präzise
durchführen. Oft kann erst in der letzten Sekunde entschieden werden,
ob ein Leebergen oder Luvbergen erfolgt! Es hängt immer von der Position
des Gegners zu uns ab. Als Regel: Seid flexibel und immer auf alles gefaßt!
Zusammenfassung
Zusammengefaßt noch einmal die wichtigsten Punkte beim Matchracen:
- Bootsgeschwindigkeit immer
zuerst
- Individuelle Arbeitsverteilung.
Mach zuerst Deinen Job!
- Input. Laß präzise
Informationen ständig fließen.
- Arbeite am Matchplan vor
dem Rennen.
- Werde ganz schnell ruhig
und trage zur Routine bei.
- Plane Deine Bewegungen und
Abläufe voraus.
- Sei immer auf alle Eventualitäten
und Schweinereien von Deinem Steuermann oder Gegner gefaßt.
Match Racing ist kein Puppenspiel,
aber wenn wir alle genannten Dinge befolgen, werden sich die Siege zwangsläufig
einstellen.
Seid positiv und steckt auch
Niederlagen weg. Baut die Moral und den Skipper auf. Sagt lieber; "konzentrier
Dich" und überprüft Euren Trimmjob, als zu sagen: "Wir
segeln langsam!"
Am wichtigsten: Habt Spaß!!!
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