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Die Gangschaltung
/ Shifting gears
Ein entscheidender Faktor für erfolgreiches Segeln ist die Fähigkeit
der Crew, sich schnell an geänderte Umgebungsvariablen anzupassen.
Es gibt verschiedene Faktoren,
die zum Wechsel des Ganges zwingen. Die Arten können einzeln oder als
Kombination auftreten:
- taktisch (Boot gegen Boot)
- strategisch (schneller
um den Regattakurs)
- wechselnde Bedingungen.
Die verschiedenen Einstellungen
1. Standardeinstellung
Diese Einstellung dient als Referenz. Hierzu müssen alle Trimmeinrichtungen
etwas loser als normal eingestellt werden. Mit der normalen Einstellung
würde man segeln, wenn keine störende Faktoren wie andere Boote, Winddreher
etc. vorhanden wären. Um die optimale VMG zu segeln, muss man die
richtige Balance zwischen Höhe am Wind und Geschwindigkeit finden. Die
Schotholepunkte sollten so eingestellt sein, daß die oberen und unteren
Windbändsel gleichzeitig kollabieren und die Schot sollte so fest angezogen
sein, dass bei glattem Wasser eine gleichmäßige Geschwindigkeit gesegelt
werden kann. Die Fallspannung muss so eingestellt werden, dass sich die
maximale Tiefe auf ca. 40-45% achterlich des Vorlieks befindet.
Das Grosssegel sollte das Boot auf gleichmässige Geschwindigkeit bringen.
Der Traveller sollte sich ungefähr mittschiffs befinden und die Schot
so fest gezogen werden, daß die Toplatte (fast) parallel zum Baum verläuft.
Der Unterliekstrecker sollte gut angezogen sein. Das Vorstag (sprich Backstag)
sollte je nach Wind fest bzw. sehr fest angezogen sein.
2. Entlang der Startlinie
Die meisten Regatten beginnen in diesem Modus. Oft wird unterschätzt,
wie wichtig es ist, das Boot vor dem Start auf maximalem Speed zu halten
- wie nach dem Start. Wer mit einer guten Geschwindigkeit in die Pre-Start-Manöver
fährt, hat mehr Kontrolle über die Bootsposition für den Start.
- Reduktion der Vorstagspannung
(sprich Backstagspannung) bis maximal 30% im Vergleich zum Amwindkurs.
- Genuaholepunkt bis zu ca.
10-12cm nach vorne ziehen, um die Genua nicht zu stark twisten zu lassen.
- Genaufall etwas unter die
Amwindmarke sacken lassen.
- Normalerweise sollte sich
der Traveller mittschiffs befinden. Mit dem Traveller in Mittschiffsstellung
sollte der Baumniederholer eben soweit angezogen sein, daß das Achterliek
nicht zu stark twistet.
- Wenn es eine Wahl zwischen
Wende und Halse gibt, sollte gehalst werden, um möglichst wenig Geschwindigkeit
zu verlieren.
3. Power Modus
Das ist der Modus auf der Regattabahn, wenn man in der Schütte eines anderen
Bootes, in leichten Winden oder in Kabbelwellen segelt.
- Vorstagspannung lösen
(und wer an Checkstagen glaubt, zieht sie jetzt an).
- Der Grossschot-Traveller
sollte leicht nach Luv gezogen sein, so dass die Toplatte um 3-5° twisten
kann.
- Die Unterliekspannung kann
etwas gelöst werden, damit das Grosssegel optimalen Vortrieb entwickelt
- aber Vorsicht: ein tiefes Unterliek bedeutet auch erhöhten induzierten
Gesamtwiderstand.
- Für das Vorsegel sollten
die Genuaholepunkte etwas nach vorn gezogen werden, das Fall etwas lockerer
eingestellt und die Genuaschot um 5-7cm gefiert werden.
4.
Höhelaufen
Dieser Modus ist der Schwierigste, da die optimale Höhe am Wind einem
schmalen Grat entspricht, auf dem man balanciert. Besonders wichtig ist,
daß man nicht mehr als ein bis zwei Zehntel Knoten gegen Höhe eintauscht,
damit der Kiel optimal arbeitet. Wenn man versucht, mehr Höhe zu laufen,
wird man mehr Bootsgeschwindigkeit verlieren als an Höhe gewinnen, da
sich die Abdrift vergrößert. Daher ist es sehr wichtig, daß man eine gleichmässige
Geschwindigkeit segelt.
- Wenn man an den Wind geht,
sollte als Erstes das Vorsegel eingetrimmt werden. Die Genua ist eher
der Motor, das Grosssegel eher das "Ruderblatt in der Luft",
d.h. es sorgt dafür, dass das Boot ausgeglichen auf dem Ruder liegt.
Nach der Genua wird das Grosssegel
getrimmt, um den Ruderdruck zu eliminieren. Die Windbändsel am Achterliek
sollen gerade eben kollabieren. Der Traveller steht mittschiffs. Die Genua
sollte mit relativ hoher Fallspannung gesetzt werden, die Schotholepunkte
nach achtern verzogen und die Schot stark angezogen werden. In der Kombination
mit einem festen Vorstag wird das Segel erkennbar flach werden. Wenn die
Luv-Windbändsel steigen, sollten nicht die Schot gefiert werden, sondern
der Steuermann soll abfallen. Danach kann man die Schot ein wenig fieren.
5. Einstellung für Leichtwind mit Welle
Bei leichtem Wind und Welle sollte man versuchen, die normale Bootsgeschwindigkeit
zu erreichen, indem man etwas Höhe abgibt. Die Segel werden durch etwas
Krängung unterstützt. Weiterhin sollte die Vorstagspannung gelöst
werden, damit der Eintrittswinkel der Genua breiter wird. Das Mast sollte
weniger Biegung erhalten und das Großsegel mit nach Luv gezogenem Traveller
und gelöster Schot und relativ hoher Unterliekspannung gefahren werden.
Die Genua hat nach vorne gezogene Schotwagen und losere Fallspannung und
weniger Schotzug, um mehr Power zu erzeugen.
6. Starkwind mit starkem Seegang
Genauso wie bei Leichtwind in der Welle sollte man in der Brise mit der
normalen Bootsgeschwindigkeit und etwas weniger Höhe segeln. Um den Steuermann
beim Segeln über die Wellen und beim Beschleunigen zu unterstützen, ist
eine tolerante Segeleinstellung ("Groove") zu finden. Diese
lässt sich finden, wenn man die Toppen der Segel twisten lässt.
Wichtig: Vorstag fest angezogen. Tipp: Den Traveller einmal etwas weiter
nach Luv ziehen, als man es bei diesen Windbedingungen normalerweise tun
würde und die Großschot ein wenig lösen. Schotwagen wenn möglich
nach hinten trimmen, Fall fest anziehen und Schot so dichtholen, dass
der untere Teil flach wird und der obere Teil stärker als normal twistet.
Wenn nur das Großsegel twistet, wird das Schiff niemals maximale Geschwindigkeit
erreichen. Daher darauf achten, daß beide Segel gleichmässig twisten.
7. Entlasten des Bootes
Wenn die Crew auf der Kante sitzt und der Grossschottrimmer das Grosssegel
öffnen muss, um das Boot nicht zu stark krängen zu lassen, muss das Boot
entlasten werden. Als erstes das Backstag maximal fest anziehen,
danach die Genuaholepunkte nach achtern und das Fall und die Schot festziehen.
Dann ist das Großsegel an der Reihe. Unterliekstrecker maximal fest, dann
das Cunningham, um das Segel nochmals flacher zu trimmen. Wer auf Höhe
segeln muss, sollte jetzt eventuell die Grossschot lose und den Traveller
nach Luv fahren. Wenn jetzt eine Böe einfällt, wird der Traveller gefiert
bis das Großsegel einen Gegenbauch bekommt. Hierbei ist es wichtig, das
der Gegenbauch nicht die Latten erreicht. An der Achterliekspartie muss
die Strömung weiterhin anliegen. Wer mehr auf Geschwindigkeit aus ist,
sollte die Grossschot etwas fester holen und den Traveller nach Lee fahren.
Darauf achten, dass sich gerade eben kein Gegenbauch bildet. Fällt nun
eine Böe ein, wird die Schot gefiert, soweit wie möglich, ohne die Strömung
am Achterliek abreißen zu lassen.
8. Speed Mode
Wenn man sich weniger Sorgen um die Höhe als um die Geschwindigkeit machen
muss, stellt man das Boot auf maximale Geschwindigkeit ein. Dies erreichen
man, indem man das Backstag um 10 - 20% entlastet und das Boot maximal
ausreitet. Genuaschot ein kleines bischen fieren und den Genuaholepunkt
leicht nach vorne verschieben. Auch die Grossschot ein wenig fieren und
vielleicht den Traveller nach Lee fahren. Darauf achten, dass sich gerade
eben kein Gegenbauch bildet. So segelt das Boot schnell und mit geringem
Ruderdruck.
Taktische Gründe für die verschiedenen Einstellungen
Jedesmal wenn man versucht schneller oder höher als normal zu
segeln, um über, unter, durch oder weg von anderen Booten zu segeln, muss
man einen anderen Modus anwenden.
Nach dem Start sollte man sich entscheiden, in welchem Modus man sich
befindet. Wenn in Lee eine große Lücke klafft, wäre es an der Zeit, das
Crewgewicht vorlicher zu trimmen und im Speed Mode zu segeln. Dies gibt
einem die Chance, den nächsten Dreher vor allen anderen Booten zu erreichen
und kann eventuell ermöglichen, mit freiem Raum und Wind zu wenden. Wenn
man nur ein Boot in Lee oder ein Boot in Luv hat, dass man abklemmen will,
muss man sein Boot auf Höhelaufen trimmen. So kann man den Winddreher
als erstes erreichen, bevor man wenden muss, oder man zwingt das Boot
in Luv zum Wenden und hat so freien Raum, um zur richtigen Seite des Regattakurses
zu segeln.
- Wenn man auf der Steuerbordseite
der Flotte startet und auf Steuerbordbug segelt, um einen Winddreher
zu erreichen, sollte man das Boot im Speed Mode segeln, um den Dreher
frühzeitig zu erreichen.
- Wenn man nach dem Start
wendet, um sich frei zu segeln, sollte man Höhe pressen, falls man die
Absicht hat, zurück zu wenden.
- Wenn ein Boot genau vor
oder unter dem eigenen Boot wendet und man sich keine Wende leisten
kann, sollte man Höhe klemmen. Manchmal wendet ein Boot in den eigenen
freien Wind und man hat dennoch das Gefühl auf der richtigen Seite zu
sein: dann sollte man das Boot in den Speed Mode trimmen, um aus der
Schütte zu segeln.
- Wenn man sich auf Steuerbordbug
befindet und ein Boot macht den Anschein, auf den eigenen Leebug wenden
zu wollen, muss man im Speed Mode segeln. Dies gibt einem die Möglichkeit,
in den "Maximale-Höhe-Modus" zu wechseln, nachdem der
Gegner gewendet hat.
- Wenn man die Luvmarke in
einem größeren Feld erreicht und auf einem Anlieger segelt, sollte man
im Speed Mode segeln, um die Bootsgeschwindigkeit in der Schütte der
Gegner aufrecht zu erhalten.
- Wenn man über die Luvmarke
hinaus gesegelt ist, oder man einen Lift erwartet, während man auf dem
Anlieger segelt und es nicht für wichtig erachtet, Höhe zu halten, dann
sollte man im Speed Modus segeln. Mit der höheren Geschwindigkeit hat
man die Chance, Boote, die vor einem gewendet hatten, zu überlaufen
und die Marke vor ihnen zu erreichen.
- Wenn man auf dem richtigen
Anlieger segelt, sollte man maximale Höhe segeln, um sicherzustellen,
daß kein Boot auf einen selber wendet und man durch die Abwinde zum
zweimaligen Wenden gezwungen wird.
Variable Konditionen
In veränderlichen Wind- oder Wellenbedingungen sollte man in der Lage sein,
die Einstellung schnell und sicher zu verändern.
Nach dem Start wird der Wind sehr unruhig sein und man wird sicherlich den
Druck aus dem vorhergehendem Tune-Up vermissen. Einfach mit dem Power-Mode
mit viel Druck im Boot starten, um es anschließend auf Höhe am Wind, Geschwindigkeit
oder in die normale Einstellung zu trimmen, je nach aktueller Situation.
In der Nähe der Küste bei auflebendem oder abflauendem Wind wird der Wind
häufig böig sein. Sicherstellen, dass die Crew in den Böen oder Lifts rechtzeitig
Druck aus dem Boot nimmt.
In einem Revier mit unterschiedlichen Strömungen können die Wellen stark
variieren. Vorheriges Abklären der auftretenden Wellenbedingungen ermöglicht
im Rennen ein schnelles Anpassen des Bootstrimms.
Eine gute Kommunikation zwischen den Trimmern und dem Steuermann ist entscheidend
für eine erfolgreiche Gesamtstrategie. |