| Die Segler
müssen umlernen: Denn was bisher als sogenannte Düsen-Theorie
in den Lehrbüchern herumgeisterte, ist in Wirklichkeit ein Luftstau.
Der Schlüssel
zum Verständnis der aerodynamischen Vorgänge
am Segel ist die sogenannte "Düse". Darunter verstehen
Segler die Öffnung oder den Spalt zwischen Vor- und Grosssegel. Nach
der gängigen Meinung wird hier die einströmende Luft durch die
trichterförmige Verengung düsenartig beschleunigt, die Anströmung
des Grosssegels erhöht und damit seine Leistung gesteigert. Dies
ist jedoch falsch und zwar aus einem sehr einfachen Grund: Die verhältnismässig
langsame Fahrt einer Yacht reicht bei weitem nicht aus, um die anströmende
Luftmasse so stark zusammen zu pressen, dass sie durch den Spalt passen
würde. Vergleichen
kann man dies mit einem Trichter, durch den, abhängig von der Grösse
der Öffnung, nur eine gewisse Menge Wasser fliessen kann: Je enger
die Öffnung ist und je mehr Wasser auf einmal hineingeschüttet
wird, desto mehr läuft über.
Wo aber bleibt nun die Luftmasse,
die "überläuft", also nicht durch die Verengung passt?
Sie muss das Hindernis Spalt umgehen und in die einzige für sie mögliche
Richtung abfliessen: zum "Tiefdruckgebiet" der Leeseite des Vorsegels.
Die Luft strömt sozusagen vom "Hoch" des Trichters talwärts
und wird dabei regelrecht in den Bereich des niedrigeren Druckes der Leeseite
des Vorsegels gesogen (physikalisch gesehen ist sie genau so ein "Fluid"
wie Wasser, nur mit einer anderen Dichte).
Dabei verhält sich die anströmende Luftmasse so, als wenn sie
die Form und Art des Hindernisses bereits vorher erkennen könnte.
Sie teilt sich vor dem Bereich des Spaltes: Der Teil, der hindurch passt,
fliesst weiter zur Öffnung, während der andere (entsprechend
der Weite des Spaltes) grössere zur Leeseite des Vorsegels ausweicht.
Die Grenze, an der die Strömung wie auf einer Wasserscheide auseinanderfliesst,
heisst Staulinie und verläuft zur Anströmkante, wo sie auf das
Segel im Staupunkt trifft.
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